Boom im E-Commerce
Welche Faktoren prägen zurzeit den CE-Handel in Europa? An vorderster Stelle steht für Friedrich Fleischmann, Retailverantwortlicher von GfK International, die stetig wachsende Bedeutung des Onlinehandels.
Bereits werden über elf Prozent des Umsatzes mit CE-Produkten in Westeuropa online getätigt.
In der Schweiz stieg der Anteil des Onlinehandels am Gesamtumsatz von 1,8 Prozent im Jahre 2006 auf 11.3 Prozent im laufenden Jahr.
Aber noch gibt es neben den sogenannten „Digital natives“, die mit digitaler Technologie aufgewachsen sind, nach wie vor die „Digital Immigrants“, die sich erst an die digitale Umwelt anpassen müssen.
Entsprechend unterschiedlich ist – so Fleischmann – die Informationssuche, -aufnahme und -verarbeitung durch die Kunden, aber auch ihr Kaufverhalten.
Sprunghafte Zunahme der Geschäftsaufgaben
Die Digitalisierung hat zu einer Umgruppierung der Verkaufsstellen geführt. In Westeuropa sind laut GfK in den letzten zehn Jahren rund 21000 Geschäfte des Elektro- und Fotofachhandels eingegangen, wobei das CE-Angebot nach deutscher Terminologie ebenfalls im sogenannten Elektrofachhandel inbegriffen ist.
Anderseits sind 1265 Fachmärkte und über 37000 Systemhäuser, Computer- und Telekomshops in diesem Zeitraum eröffnet worden. In Deutschland allein ist der Umsatzanteil des traditionellen Elektrofachhandels um 37 Prozent eingebrochen, während derjenige der Elektrofachmärkte um 95 Prozent zugenommen hat.
Insgesamt hat sich aber in der eigentlichen Unterhaltungselektronik die Absatzmenge als Folge der Digitalisierung in Europa innerhalb von 6 Jahren verdoppelt.
Preiskampf keine Lösung
Ein weiterer Faktor, der den Strukturwandel im CE-Handel prägt, ist der Beginn der sogenannten Vertikalisierung – die Tatsache, dass Hersteller mit eigenen Shops oder in Fachmärkten mit eigener Verkaufsmannschaft direkt mit dem Konsumenten kommunizieren.
Ob dies die logische Konsequenz ist, um an der Spitze zu bleiben? Fleischmann glaubt nicht daran. Die zunehmende Konvergenz der Produkte, die rasch wechselnden Produktzyklen, verbunden mit dem Preiszerfall nach einer ersten Sättigung des Marktes, fordern ein radikales Umdenken.
Weniger ist mehr
Noch sei der Preis die dominante Werbebotschaft. Zunehmend würden nun aber Lifestyle, Design und ökologische Aspekte das Kaufverhalten beeinflussen. Die neue Werbebotschaft wäre dann – wie zum Beispiel im Hinblick auf den Energieverbrauch – „weniger ist mehr.“
Die Frage, ob das klassische „Braune-Ware-Sortiment“ ein Zukunftsmodell oder doch nur eine Monokultur im Zuge der digitalen Konvergenz sei, gab der Referent zur Beantwortung an die anschliessende Podiums-Diskussion weiter.
Insbesondere die beiden Vertreter der Einkaufsorganisationen Patrick Egli (ElectronicPartner) und Peter Meyer (Interfunk) sind sich bewusst, dass Kundennähe, Aus- und Weiterbildung, Unternehmertum Voraussetzungen sind, damit der Fachhändler die heutigen und künftigen Herausforderungen meistert.
„Wobei wir sehr aufpassen müssen,“ hielt Peter Meyer abschliessend fest, „dass uns in Sachen Vernetzung der Elektrofachhandel nicht das Wasser abgräbt.“
HE Inside-Forum
Das HE-Inside-Forum, zu dem p.a.media ag, die Herausgeberin der Zeitschriften HomeElectronic INSIDE und HomeElectronic, sowie GfK eingeladen hatten, fand dieses Jahr erstmals an der CE Expo statt.
p.a.media-Geschäftsführer Dominik Achermann wies mit Blick auf die schnell wechselnden Produktneuheiten in seiner Begrüssung darauf hin, dass „Die Messe“ als Ort der erstmals vorgestellten Innovationen an Bedeutung zu verlieren scheint, dass sie aber „als Marktplatz, wo Verkäufer und Käufer persönliche Kontakte pflegen und Informationen austauschen können, alt und bewährt und wohl auch ein Zukunftsmodell“ sei.
Dasselbe Ziel, Persönlichkeiten und Macher aus der CE-Branche vorzustellen, werde auch von der Plattform HE Inside verfolgt. „Wir wollen zeigen, wer hinter den Marken und Strategien steht, wir wollen wissen, welches Gesicht sich hinter einem Vertriebskanal verstreckt.“
Der Erfolg nach dem ersten Jahr des Erscheinens sei Hinweis genug, dass sich der Verlag auf dem richtigen Weg befinde.
Auf die Podiumsdiskussion gehen wir noch einmal in der nächsten Ausgabe von HE INSIDE ein. |